Bidspirit auction | Norbertine Bresslern-Roth: Markt
Norbertine Bresslern-Roth: Markt - Norbertine Bresslern-Roth Markt 1939 Öl auf Jute; gerahmt 150 x 110 cm Signiert links unten: B. Roth Künstlerstempel rückseitig am Keilrahmen sowie bezeichnet: 101, ”Markt” / Öl Galerie Moser, Wien; Privatbesitz, Steiermark Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, Dipl.-Arb; Graz 1994, Abb. 116; Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog, Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, 26.10.2016-17.04.2017, Graz 2016, Nr. 169 (ohne Abb.) Die Szene zeigt einen Markt mit vier Frauen. Anstatt miteinander zu interagieren oder einer Tätigkeit nachzugehen, wirken die Figuren wie Stillleben. Es sind Halbakte in unterschiedlichem Alter. Jede Frau wird in einer anderen Ansicht wiedergegeben, sodass sich eine Rundumansicht erschließen lässt, würde man alle Figuren zusammenlegen. Mit entblößter Brust und von einem mit Tuch umhüllter Taille vermitteln sie die damalige Vorstellung von Exotik und fernen Ländern. Unter ihren Armen, zu ihren Füßen und auf den Köpfen tragen sie in geflochtenen Körben die Waren für den Markt – ihre Ernte ist reich an landestypischen Früchten und Tieren. So zählen Truthähne neben Schalentieren und Fischen, Kürbisse, Tomaten und eine Ananas zu den Marktwaren. Ein bunter Querschnitt der Schätze des Landes wird so wiedergegeben. Anregungen für derartige Marktszenen hat Bresslern-Roth während ihrer Libyenreise nach Tripolis im Jahre 1928 gesammelt. Die Reise unternahm sie mit ihrem Mann Georg Bresslern. Während Sie ihre Eindrücke in Bleistift und Aquarell als Studien skizzierte, hielt ihr Mann sie mit zahlreichen Fotografien fest. Nach ihrer Rückkehr nahmen Bresslern-Roths Impressionen in Form von Ölgemälden und Farblinolschnitten Gestalt an. Die Reise nach Tripolis war ihre einzige Fernreise. Doch immer wenn sie Menschen abbildete, setzte sie sie in eine tropische, arktische, fernöstliche oder afrikanische Umgebung. Auch die Völkerschauen und Kolonialausstellungen könnten sie inspiriert haben. Das Phänomen breitete sich von Hamburg über viele europäische Großstädte aus und fand vornehmlich in Tiergärten und im Zirkus statt. In den 1930er-Jahren stellte sich ein enormer Besucherandrang ein, der maßgeblich zur Verbreitung rassistischen Gedankengutes beitrug. Auch wenn nicht gesichert ist, dass Bresslern-Roth eine derartige Zurschaustellung menschlichen Seins gesehen hat, liegt dies doch nahe. Studienzwecke führten sie immer wieder in Tierparks, wo sie von dem lebenden Tier ihre Skizzen nahm. In ihrer Denkweise hatten diese Völkerschauen jedoch nicht unbedingt einen rassistischen Hintergrund. Bresslern-Roth empfand es eher als Ideal, Mensch und Tier als gleichwertige Partner in der Natur anzusiedeln. Die Vermenschlichung der von ihr portraitierten Tiere und deren Aufladung mit menschlichen Themen und Emotionen ist schließlich die logische Konsequenz in ihrer Malerei. (Petra Hammer-Maier) Norbertine Bresslern-Roth Markt 1939 oil on jute; framed 150 x 110 cm signed on the lower left: B. Roth artist stamp on the reverse on the stretcher as well as inscribed: 101, ”Markt” / Öl Galerie Moser, Vienna; private property, Styria Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, thesis; Graz 1994, illus. 116; Christa Steinle (ed.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, exhibition catalogue, Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, 26 October 2016-17 April 2017, Graz 2016, no. 169 (without illus.)