Bidspirit auction | Gottfried Helnwein: o.T.


Gottfried Helnwein: o.T. - Gottfried Helnwein o.T. 1974 Aquarell auf Zeichenkarton; gerahmt 39,8 x 41 cm (Rahmen-Ausschn.) Signiert rechts oben: Gottfried Helnwein (T) Sammlung Jirka; Privatbesitz, Wien 1972 kommt Gottfried Helnwein über den damaligen Art Director Bernhard Paul in Kontakt mit der profil-Redaktion. Profilgründer Oscar Bronner und sein Chefredakteur Peter Michael Lingens beschließen dem Künstler, wie wenig später auch seinem Freund Manfred Deix, Illustrationsaufträge zu geben. Im Jänner 1973 erscheint Helnweins erster Cover-Entwurf, der gleich zum Skandal wird. Zum Thema des Leitartikels über Selbstmord in Österreich ist ein Kind zu sehen, das sich die Pulsadern aufschneidet. Peter Michael Lingens prophezeit Gottfried Helnwein eine große Karriere, der Sprung ins Internationale folgt dann auch mit Titelbildern für das deutsche ZEITmagazin und in den 1980er Jahren für das renommierte TIME Magazine. Die Breitenwirksamkeit der Medien macht Gottfried Helnweins Kunst einem Millionenpublikum zugänglich und löst rund um den Globus Diskussionen aus. Das 1974 entstandene Aquarell ist der Originalentwurf für ein weiteres Profil-Cover, das am 27. Juni 1974 im Heft Nummer 24 anlässlich der Familienrechtsreform mit dem Titel ”Die neuen ehelichen Pflichten” veröffentlicht wird. Auch dieses Bild trifft genau den Nerv und führt zu heftigen Kontroversen. Oscar Bronner schreibt später: ”Wir haben im Laufe der Zeit die wildesten Skandale dieses Landes penibel beschrieben, keiner dieser Berichte löste auch nur annähernd so eine Reaktion aus. Es ist interessant zu registrieren, dass ein Bild stärker provoziert als ein Text, dass Fiktion heftigere Reaktionen auslöst als ein Tatsachenbericht.” (https://www.helnwein.de/artist/biography/article_1005-First-cover-for-the-political-and-cul tural-magazine-Profil, aufgerufen am 2.5.2025) Genau das macht die Stärke der Kunst Gottfried Helnweins aus, er spricht Themen an, die wir gerne verdrängen. Mit der Macht seiner Bilder holt er im Unterbewusstsein Schlummerndes hervor und bringt es schmerzlich an die Oberfläche. Wir sehen zwei zarte Frauenhände, die den schmerzverzerrten Kopf ihres Ehemannes von sich wegdrücken. Von der Frau ist nichts weiter zu sehen als ihre Hände und der rechte Unterarm. Wir wissen also nichts Näheres über sie und auch nicht, was ihre heftige Abwehrreaktion hervorgerufen hat. Dennoch setzt diese als unangenehm empfundene Situation unser Kopfkino in Gang. Das Bild lässt uns nicht unberührt und wird lange in unserem Gedächtnis haften bleiben. Genau das ist es, was die Kunst Gottfried Helnweins auszeichnet. ”Wenn ich sehe, dass die Betrachter meiner Arbeiten emotional berührt sind, erschüttert, betroffen, bewegt, entsetzt, verstört oder belustigt und dass sich die Bilder in ihren Köpfen einnisten, dann habe ich den Eindruck, ich bin angekommen”, sagt der Künstler (Harald Scheicher (Hg.), Gottfried Helnwein. Kind, Ausstellungskatalog, Werner Berg Museum, Bleiburg 2017, S. 90). (Sophie Cieslar) Gottfried Helnwein Untitled 1974 watercolour on cardboard; framed 39.8 x 41 cm (cut-out) signed on the upper right: Gottfried Helnwein (T) Collection Jirka; private property, Vienna