Bidspirit auction | Rudolf Wacker: Stillleben mit Engel
Rudolf Wacker: Stillleben mit Engel - Rudolf Wacker Stillleben mit Engel 1926 Öl auf Leinwand; gerahmt 48,5 x 45,5 cm Signiert und datiert links oben: R. Wacker 26 Rückseitig auf Leinwand eigenhändig bezeichnet: Rudolf Wacker / Bregenz 1926 / ”Stilleben mit Engel ” Rückseitig auf Keilrahmen Bildmaß: B45 1/2 H 48 1/2 Joseph Wacker, Reutte (noch zu Lebzeiten des Künstlers als Geschenk erhalten); seither in Familienbesitz, österreichischer Privatbesitz 1926 Innsbruck, Kunstsalon Unterberger, Tiroler Secession, August bis Dezember Max Haller, Rudolf Wacker 1893-1939. Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 32 (mit s/w-Abb.) Das ”Stillleben mit Engel” war bisher nur einmal ausgestellt und zwar 1926 im Kunstsalon Unterberger in Innsbruck, wo Wacker bei einer Gruppenausstellung der Tiroler Künstlergruppe ”Secession” acht seiner Gemälde präsentierte. Wacker hat das Bild noch zu seinen Lebzeiten einem Verwandten väterlicherseits in Reutte geschenkt. Seither befand sich das im Oeuvre-Katalog von Max Haller durch eine Schwarz-Weiß-Fotografie dokumentierte und unter der Nummer 32 gelistete Gemälde in Familienbesitz. Rudolf Wackers Werk fokussiert auf die Präsenz der Dinge. Er malte ”Dinge so (...), daß sie für den Betrachter des Bildes 'wie greifbar' vor ihm stehen, daß sie ihn förmlich erschrecken durch ihre Wirklichkeit.” (Rudolf Wacker, Tagebuch, 15.02.1926, vgl. Sagmeister 1990, S. 472) Es ging ihm um das Besondere des Unscheinbaren: ”Schließlich ist es Weltanschauung: das Begreifen, wie jedwedes Ding ewig für sich selbst ist, für sich bleibt, fremd und allein. Und doch ist das Geringste unter ihnen ein Wunder. In seiner Realität dargestellt ist es ein erschütterndes Erlebnis. (...) Diese Mystik des Erlebens ereignet sich häufig in überreiztem Zustand - nach irgendwelcher seelischen Erschütterung (...) Jedes Ding, das simpelste und leblose noch, bleibt ein Mysterium. Und wirklich ist am Ende der fromme Realist der eigentliche Mystiker.” (Rudolf Wacker, Tagebuch, 28.10.1928, vgl. Sagmeister 1990, S. 542f.) In seinem Atelier umgab sich Rudolf Wacker mit einer Vielzahl von Gegenständen, die seine künstlerische Fantasie anregten. Die Liste der Dinge ist lang: Puppen und anderes Spielzeug, Streichholzschachteln, Kerzen, Spielkarten, alte Krüge und Vasen, Heiligenfiguren, Hinterglasbilder, Kinderzeichnungen, Bücher, Zeitschriften, Topfpflanzen, Mineralien und vieles mehr. Diese bunte Kollektion aus Erinnerungsstücken, Kuriositäten, alten Kunstgegenständen und Pflanzen bedeutete für ihn eine Quelle der Inspiration. Für seine Stillleben fand er hier ein vielfältiges Motivrepertoire, aus dem er schöpfen konnte. Fundstücke aus der Sammlung des Künstlerateliers wurden immer wieder neu kombiniert. In unserem Stillleben aus 1926 hat der Maler ausgewählte, teils aus anderen Bildern bekannte Gegenstände wie auf einer Bühne arrangiert: ein barocker Engel auf einer braunen Holztafel ist zentral auf der Mittelachse des Bildes platziert, links wendet sich uns ein schwarzer Spielzeugvogel auf einer roten Schachtel mit Spielkarten direkt zu, der Geranientopf zur Linken des Engels schließt die Dreieckskomposition ab. Hinter der Pflanze hängt schräg an der Wand ein Jesusbild, parallel zur erhobenen Engelshand mit Zeigegestus. In einem durchdachten, streng geordneten Bildaufbau wird jeder einzelne Bildgegenstand Teil einer verschlüsselten Symbolik: ...”Das 'Sinnlose' (das Vereinzelte, Einsame von Gegenständen, die keine praktische - d.h. außerhalb des Bildes gewöhnte Beziehung haben) in eine sinnvolle Ordnung spannen”, schreibt Rudolf Wacker 1934 in sein Tagebuch (Tagebucheintrag, Juni 1934, vgl. Sagmeister 1990, S. 628). ”Neue Sachlichkeit” war die Antwort vieler Maler der Zwischenkriegsjahre auf existentielle Fragen und eine von Krisen geschüttelte Lebenswirklichkeit. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges weckten in der Kunst das Bedürfnis nach Ordnung. In dezidierter Abkehr vom Expressionismus kam es zu einem Rekurs auf die Welt des Sichtbaren und zu einer Rückbesinnung auf malerische Traditionen. Rudolf Wacker zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Neuen Sachlichkeit in Österreich. (Claudia Mörth-Gasser) Rudolf Wacker Stillleben mit Engel 1926 oil on canvas; framed 48.5 x 45.5 cm signed and dated on the upper left: R. Wacker 26 inscribed by the hand of the artist on the reverse on canvas: Rudolf Wacker / Bregenz 1926 / ”Stilleben mit Engel ” dimensions on the reverse on the stretcher: B45 1/2 H 48 1/2 Joseph Wacker, Reutte (received as a gift during the artist's lifetime); since then in family property, private property, Austria 1926 Innsbruck, Kunstsalon Unterberger, Tiroler Secession, August to December Max Haller, Rudolf Wacker 1893-1939. Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, cat.-no. 32 (with b/w-illus.)