Bidspirit auction | Alfred Gerstenbrand: Sirkecke


Alfred Gerstenbrand: Sirkecke - Alfred Gerstenbrand Sirkecke 1913 Mischtechnik auf Papier; gerahmt 39,5 x 30 cm (Passep.-Ausschnitt) Bezeichnet und datiert unten mittig: Sirkecke Gewidmet und signiert rechts unten: Alfred Gerstenbrand direkt vom Künstler erhalten (Widmung); Privatsammlung, Österreich Alfred Gerstenbrand, eine vielseitige Künstlerpersönlichkeit der Wiener Moderne, erhielt seine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er unter anderem bei Felician Mayrbach und Kolo Moser studierte. Obwohl er sich ebenso für eine militärische Ausbildung und Karriere entschied, verfolgte er weiterhin seine Leidenschaft zum Zeichnen und hielt die Eindrücke seiner oft beruflichen Reisen auf humorvolle Weise fest. Erste Erfolge feierte der junge Künstler als Illustrator und Karikaturist bei der beliebten Satirezeitschrift ”Die Muskete”. Im Jahr 1919 wandte sich Gerstenbrand ganz seiner künstlerischen Tätigkeit zu. Als ordentliches Mitglied der Wiener Secession und des Wiener Künstlerhauses wird er bald zum gefragten Porträtisten und Karikaturisten der Wiener Gesellschaft. Gerstenbrand zeigte früh ein feines Gespür für Charakter und sozialgesellschaftliche Typen. In Porträts, Figurenkompositionen und Karikaturen erschuf er mit wenigen gekonnten Strichen großen Ausdruck. Seine Stärke liegt in der Reduktion. Gestik, Mimik und Körperhaltung erschaffen in seinen Bildern eine unmittelbare Dynamik und geben seinen Blick auf die Dargestellten, ihre Umwelt und den Zeitgeist auf humorvolle Art und Weise wieder. Es sind gesellschaftliche Ereignisse, bei denen Gerstenbrand als scharfer Beobachter seine Zeitgenossen in eleganter, aber humorvoller Spitzfindigkeit beim Heurigenbesuch, im Kaffeehaus, bei kulturellen Veranstaltungen oder beim Flanieren durch die Stadt abbildet. Allen voran steht oft die Figur des ”Wiener Originals” im Zentrum seines Schaffens. Vom kaiserlichen Wien über die Zwischenkriegszeit bis zur Zweiten Republik: Gerstenbrands aquarellierte Zeichnungen spiegeln die Umbrüche des 20. Jahrhunderts – die Spannungen zwischen Tradition und Moderne - wider. Seine Figuren sind nie bloße Studien, sondern Zeitzeugen. Seine breit gefächerten Sujets zeigen sich auch in den zur Auktion kommenden Papierarbeiten aus einer österreichischen Privatsammlung. Mit humorvoller Eleganz zeigt er uns Mitglieder des Kaiserhauses, das dörflich-gemütliche Grinzing oder die ausgelassen feiernde Gesellschaft eines Faschingsfestes – als Spiegel einer Epoche, in der sich das Individuum immer neu zu definieren versuchte. (Valerie Pauß) Alfred Gerstenbrand Sirkecke 1913 mixed media on paper; framed 39.5 x 30 cm (cut-out) inscribed and dated in the lower centre: Sirkecke dedicated and signed on the lower right: Alfred Gerstenbrand directly from the artist (dedication); private collection, Austria