Bidspirit auction | Herbert Boeckl: Leda mit dem
Herbert Boeckl: Leda mit dem Schwan - Herbert Boeckl Leda mit dem Schwan 1933 Öl auf Leinwand; gerahmt 146 x 181 cm Rückseitig Etiketten ”H. B. / Inv.-Nr. 105” sowie ”Boeckl-Nachlass Nr. 105” Herbert-Boeckl-Nachlass, Wien, B 105; Maria Unger, Wien; Galerie Maier, Innsbruck; Privatbesitz, Wien 1979 Graz/Ludwigshafen/Aarau, Herbert Boeckl Retrospektive, Künstlerhaus, Graz, 17.03.-16.04./Wilhelm-Haak-Museum, Ludwigshafen, 01.07.-26.08./Aargauer Kunsthaus, Aarau, 03.11.-16.12., Nr. 60; 1984/85 Wien/Bregenz/Wien, Abbild und Emotion, Museum für angewandte Kunst, Wien, 05.06.-08.07.1984/Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz, 21.07.-09.09.1984/Galerie Austria, Wien, 20.11.1984-12.01.1985, Nr. 10; 2004/05 Wien, Gemälde österreichischer Meister des 19. und 20. Jahrhunderts, Kunsthandel Giese & Schweiger, Wien; 2006 Wien, Herbert Boeckl, Galerie und Auktionshaus Hassfurther Wien, 16.03.-30.04., Nr. 27 Gerbert Frodl, Herbert Boeckl. Mit einem Werkverzeichnis der Gemälde von Leonore Boeckl, Salzburg 1976, S. 194, Nr. 204; Wilfried Skreiner (Hg.), Herbert Boeckl. 1894-1966. Gemälde, Ausstellungskatalog, Künstlerhaus Graz/Wilhelm-Haak Museum Ludwigshafen/Aargauer Kunsthaus Aarau, Graz 1979, Nr. 60; Gabriele Koller (Hg.), Abbild und Emotion. Österreichischer Realismus 1914-1944, Ausstellungskatalog, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien/Künstlerhaus Thurn und Taxis, Bregenz/Galerie Austria, Wien, Wien 1984, S. 18, Nr. 10; Herbert Giese, Herbert Boeckl. ”... und einmal ein kleines Ergebnis”, in: Parnass, Jg. 14, H. 3, 1994, S. 48; Gemälde österreichischer Meister des 19. und 20. Jahrhunderts, Ausstellungskatalog, Kunsthandel Giese & Schweiger Wien, Wien 2004, Nr. 36; Herbert Boeckl, Ausstellungskatalog, Galerie und Auktionshaus Hassfurther Wien, Wien 2006, S. 61, Nr. 27; Agnes Husslein-Arco (Hg.), Herbert Boeckl. Retrospektive, Katalog mit Werkverzeichnis der Ölbilder, Skulpturen, Fresken und Gobelins, Belvedere Wien, 21.10.2009-31.01.2010, Nr. 230, Abb. S. 367 Herbert Boeckls ”Leda mit dem Schwan”, 1933 nur zwei Jahre nach seinem bahnbrechenden Werk ”Anatomie” entstanden, bringt eine eher seltene Auseinandersetzung des Künstlers mit der griechischen Mythologie. Schon bei Albrecht Dürer und Michelangelo war die Darstellung der Frau des spartanischen Königs Tyndareos, die vom liebestollen Zeus, der sich zur Tarnung in einen Schwan verwandelt hatte, ein beliebtes erotisches Thema. Der ungewöhnlichen Begegnung entspringen in Folge die Zwillinge Kastor und Pollux, sowie die Schwestern Helena und Klytaimnestra, wobei die Vaterschaft Zeus‘ sich auf Pollux und Helena erstreckt, während die gleichzeitig geborenen Geschwister Tyndareos zum Vater haben. Auch bei Correggio und Rubens finden sich Interpretationen dieser mythologischen Erzählung, oft schon mit den Neugeborenen im Bild. Herbert Boeckl hält sich hier nicht an tradierte Ikonografien, sondern entwickelt eine neuartige Komposition. Seine Leda liegt der Länge nach ausgestreckt auf einem Bett und wendet Ihre Aufmerksamkeit statt dem fordernden Schwan – auch sehr ungewöhnlich, wird dieser hier mit schwarzem und nicht wie sonst üblich weißem Gefieder dargestellt – den Betrachtenden zu. Hier kann man eindeutig Einflüsse französischer Malerei feststellen, die Herbert Boeckl auf seiner Paris-Reise 1923 genau studiert hat und auch mehrfach als Inspirationsquelle erwähnt. Wir denken an Edouard Manets selbstbewusste Olympia, Werke von Nicolas Poussin, nach denen Boeckl mehrere Studien anfertigte, und natürlich auch den großen Paul Cézanne. Neben Herbert Boeckl gab es nur wenige Künstler in Österreich, die früh – die Bilder Paul Cézannes wurden schon um 1913/1914 in Ausstellungen in Wien präsentiert und somit für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht – dessen Bedeutung und sein revolutionäres Verständnis von Farben und Formen in der Malerei erkannten. Boeckl übernimmt Cézannes Verständnis von Raum und Volumen und entwickelt ein neues Gefühl für Plastizität in seinen Kompositionen. Gleichzeitig kommt es zu einer Aufwertung der Farbe als ”geradezu körperlich faßbare Substanz”, mit der der Künstler nun seine Bilder ”baut” (Gerbert Frodl, Herbert Boeckl. Mit einem Werkverzeichnis der Gemälde von Leonore Boeckl, Salzburg 1976, S. 15). So malt er auch seine Leda mit kräftigen, farbintensiven Pinselstrichen, Licht kommt durch eine Aufhellung der Palette in das Bild. Das kräftig orange-gelbe Inkarnat der schönen Spartanerin leuchtet förmlich. Dieses ”Glühen” (Agnes Husslein-Arco (Hg.), Herbert Boeckl. Retrospektive, Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2009/2010, S. 40) wird zu einem Charakteristikum seiner Bilder ab den frühen 1930er Jahren. So steigt Herbert Boeckl ”nicht über die Form, sondern über die Farbwerte… in die internationalen Strömungen um 1945 ein” (Husslein, S. 40).