Bidspirit auction | Martha Jungwirth: o.T. (aus der


Martha Jungwirth: o.T. (aus der Serie ”Spittelauer Lände”) - Martha Jungwirth o.T. (aus der Serie ”Spittelauer Lände”) 1993 Aquarell auf Papier auf Leinwand; ungerahmt 205 x 213 cm Signiert und datiert rechts unten: Martha Jungwirth, 93 österreichischer Privatbesitz Ausstellungskatalog, Martha Jungwirth. Spittelauer Lände. Die grossen Aquarelle von 1993. Eine Publikation der Salzburger Landessammlungen Rupertinum zum Sammlungsbesitz, Salzburg 1994, Abb. 10. Martha Jungwirth gehört zu den bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen ihrer Generation. Ihr Werk bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion und ist dabei immer von einer intensiven körperlichen und emotionalen Auseinandersetzung mit der Malerei geprägt. Farbe wird für sie nicht zum Mittel der Beschreibung, sondern zum Ausdrucksträger von Wahrnehmung, Erinnerung und Empfindung. Anstelle eines geplanten Bildaufbaus entwickelt sich die Komposition aus dem Malprozess selbst heraus. Spontan gesetzte Farbbahnen, Überlagerungen und Leerstellen erzeugen eine Spannung zwischen Zufall und bewusster Entscheidung. Das Weiß des Papiers bleibt dabei stets aktiver Bestandteil der Bildfläche, als Resonanzraum für das Sichtbare wie das Ungesagte. Besonders deutlich wird diese Arbeitsweise in der Serie ”Spittelauer Lände” (1993). Aus einem Atelier mit Blick auf den Donaukanal heraus übersetzt Jungwirth das urbane Treiben, Lichtverhältnisse und flüchtige Eindrücke in dynamische Aquarelle. Der Prozess ist schnell und körperlich: Sie arbeitet an mehreren Blättern gleichzeitig, legt sie auf den Boden oder lehnt sie an Wände. Die Farbe darf sich frei entfalten, tropfen, verlaufen und ihrer eigenen Materialität folgen. Dieses bewusste Zulassen von Bewegung macht den Entstehungsprozess sichtbar und wird Teil des Ausdrucks. Die verrinnende Farbe ist nicht nur Spur der Schwerkraft, sondern auch ein Zeichen von Zeit, Energie und der Unmittelbarkeit des Augenblicks. Im vorliegenden Blatt verdichten sich leuchtende Orangetöne zu einem vibrierenden Zentrum, umgeben von violetten und blauen Partien, die sich nach außen hin auflösen und Raum lassen für Leere. Großzügig unbemalte Flächen öffnen das Bild zu einer offenen Struktur, die Wahrnehmung nicht festlegt, sondern anregt. Jungwirths Malerei will nicht darstellen, sondern empfinden lassen – sie hält fest, was sich eigentlich nicht festhalten lässt: Bewegung, Atmosphäre und die Spuren einer intensiven, körperlich gelebten Erfahrung von Welt. (Ina Waldstein) Martha Jungwirth Untitled (from the series ”Spittelauer Lände”) 1993 watercolour on paper on canvas; unframed 205 x 213 cm signed and dated on the lower right: Martha Jungwirth, 93 private property, Austria exhibition catalogue, Martha Jungwirth. Spittelauer Lände. Die grossen Aquarelle von 1993. Eine Publikation der Salzburger Landessammlungen Rupertinum zum Sammlungsbesitz, Salzburg 1994, illus. 10