Bidspirit auction | Martha Jungwirth: Schiefmaul am Kanal
Martha Jungwirth: Schiefmaul am Kanal - Martha Jungwirth Schiefmaul am Kanal 1992 Öl auf Leinwand; ungerahmt 110 x 95 cm Rückseitig signiert und datiert: Martha Jungwirth, 92 Galerie Contact, Wien; seither österreichische Privatsammlung Die Malerin Martha Jungwirth gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Kunst in Österreich. Nach ihrem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien wurde sie in den 1960er-Jahren als Mitglied der Künstlergruppe ”Wirklichkeiten” gemeinsam mit Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Peter Pongratz, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl bekannt. Ihr Werk zeichnet sich durch einen expressiven, gestischen Malstil aus, der zwischen Abstraktion und Figuration oszilliert. Jungwirth arbeitet mit kräftigen Farben und spontanen Pinselstrichen. Ihre Bilder wirken spontan und intuitiv, sind jedoch von intensiver Beobachtung und präzisem Formgefühl geprägt. Ausgangspunkt sind meist reale Eindrücke, die sie in eine künstlerische Bildsprache transformiert. Im Zentrum ihres Schaffens steht das Aquarell. Jungwirth feierte zahlreiche Ausstellungserfolge. 2024 widmete ihr das Guggenheim Museum in Bilbao eine umfassende Retrospektive. Heute zählt sie zu den einflussreichsten Malerinnen Österreichs. Das Werk Schiefmaul am Kanal aus dem Jahr 1992 zählt zu Martha Jungwirths expressiv-abstrakten Arbeiten, die sich durch eine unmittelbare, körperlich erfahrbare Malweise auszeichnen. Auf einer unbehandelten Leinwand entfaltet sich im oberen Bildraum eine konzentrierte Farbverdichtung, bestimmt von freien, gestischen Pinselzügen und pastosen Farbaufträgen. Die Komposition lebt von einem Spannungsverhältnis zwischen Dichte und Leere und betont die Autonomie der Farbe als zentrales Ausdrucksmittel. Jungwirths Malweise knüpft an das Informel und den Gestus des Action Painting an, bleibt dabei jedoch eigenständig. In der Werkphase der frühen 1990er Jahre markiert dieses Gemälde eine Phase zunehmender gestischer Freiheit in ihrem Œuvre. Der Titel verweist – typisch für Jungwirth – auf eine poetische, fragmentarische Verbindung zwischen Landschaft, Figur und Empfindung, ohne diese konkret zu benennen. Damals meinte die Künstlerin: ”Die Reise ins Ich über schöne Gärten über meine Person. Ich lerne mich jetzt immer mehr zu begreifen. Ich muss so lange malen. Vielleicht werde ich süchtig. Die Kunst ist eine Sucht.” (Martha Jungwirth, Peter Krawagna, M. J. M. Ringel. Arbeiten 1992/93, Ausst. Kat. Künstlerhaus Klagenfurt, Oktober 1993, o. S.) (Stefan Üner) Martha Jungwirth Schiefmaul am Kanal 1992 oil on canvas; unframed 110 x 95 cm signed and dated on the reverse: Martha Jungwirth, 92 private collection, Austria