Bidspirit auction | Max Weiler: Pflanzenwelt


Max Weiler: Pflanzenwelt - Max Weiler Pflanzenwelt 1983 Mischtechnik auf Leinwand; gerahmt 130 x 120 cm Signiert und datiert rechts unten: Weiler, 83 Rückseitig auf Keilrahmen signiert und bezeichnet: Weiler, Pflanzenwelt österreichischer Privatbesitz Gottfried Boehm, Gerhard Roth, Weiler. Das Spätwerk 1973-1991, Prag 1991, Abb. S. 56-57. Max Weiler zählt zu den bedeutendsten Vertretern der österreichischen Nachkriegskunst. Ausgangspunkt seines Werks ist stets die Natur, die für ihn nicht bloß Motiv oder Abbild war, sondern ein umfassendes Prinzip, das Weltwahrnehmung, künstlerisches Denken und Formfindung miteinander verknüpft. Weiler suchte nicht die naturgetreue Wiedergabe sichtbarer Erscheinungen, sondern eine malerische Entsprechung des Wesens der Natur. Seine Bilder sind poetische Verdichtungen von Wachstumsprozessen, Bewegungen und inneren Zusammenhängen jenseits des Gegenständlichen. Ab den 1970er-Jahren löst sich Weilers Malerei zunehmend von konkreten Landschaftsformen und entwickelt eine gänzlich autonome Bildsprache. Linien, Flecken und Farbbahnen werden zu Trägern einer inneren Dynamik, die Natur nicht darstellt, sondern gleichsam aus sich heraus neu entstehen lässt. Der Künstler versteht das Bild als lebendigen Organismus, in dem sich Werden und Vergehen, Ordnung und Zufall in einem ständigen Wechselspiel begegnen. In dieser Haltung spiegelt sich auch der Einfluss ostasiatischer Maltraditionen, insbesondere der chinesischen und japanischen Tuschmalerei, wider. Weiler übernahm aus ihnen die Idee, dass das Bild nicht als Repräsentation, sondern als Ausdruck eines inneren Naturprozesses zu verstehen ist – und dass Leere und Ungesagtes ebenso wesentlich sind wie das Sichtbare. Das 1983 entstandene Werk ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese reife Phase. Auf der nahezu unberührten weißen Fläche entfalten sich zarte, doch kraftvolle Farbbewegungen in Grün, Blau, Türkis und Violett, die an geologische Schichtungen, Wasserläufe oder vegetabile Wucherungen denken lassen, ohne sie je konkret abzubilden. Die Farbfelder scheinen zu fließen, sich zu überlagern und gegenseitig zu durchdringen, wodurch ein vielschichtiges Geflecht aus Verdichtungen und Auflösungen entsteht. Dabei bleibt der Malgrund stets präsent und gibt dem Bild eine lichte, atmende Struktur. Die Offenheit des Raumes lädt den Betrachter ein, das Gesehene nicht als festgelegte Form zu deuten, sondern als Prozess, als organisches Werden. Charakteristisch für Weilers Spätwerk ist das Zusammenspiel von malerischer Geste und kontrolliertem Zufall: Die Farbe wird nicht einfach aufgetragen, sondern ”gesetzt”, manchmal lasierend, manchmal pastos, oft scheinbar zufällig, tatsächlich aber hochgradig bewusst. Diese Arbeitsweise folgt Weilers Überzeugung, dass Kunst nicht ”erfindet”, sondern ”findet” – dass sie die in der Natur angelegten Kräfte sichtbar macht, anstatt sie zu imitieren. (Ina Waldstein) Max Weiler Pflanzenwelt 1983 mixed media on canvas; framed 130 x 120 cm signed and dated on the lower right: Weiler, 83 signed and inscribed on the reverse on the stretcher: Weiler, Pflanzenwelt private property, Austria Gottfried Boehm, Gerhard Roth, Weiler. Das Spätwerk 1973-1991, Prague 1991, illus. p. 56-57