Bidspirit auction | Alfred Hrdlicka: Stele mit weiblicher


Alfred Hrdlicka: Stele mit weiblicher Figur - Alfred Hrdlicka Stele mit weiblicher Figur Bronze H. 131 cm Signiert und bezeichnet unten: A. Hrdlicka, E.A. Gießerstempel: Venturi Arte österreichische Privatsammlung Vgl. Michael Lewin, Alfred Hrdlicka - Das Gesamtwerk Bildhauerei. Wien - Zürich 1987, S. 241. Mit dieser monumentalen Bronzestele führt Alfred Hrdlicka den Betrachter zurück zu den Ursprüngen der Bildhauerei – und zugleich in die Abgründe des 20. Jahrhunderts. Die weibliche Figur, die sich aus dem massiven Sockel emporreckt, verkörpert jene existenzielle Spannung zwischen archaischer Monumentalität und moderner Fragilität, die Hrdlickas gesamtes Schaffen durchzieht. In den 1970er Jahren, als diese Komposition entstand, hatte sich Hrdlicka bereits entschieden gegen die Abstraktion der Nachkriegsmoderne positioniert. Während seine Zeitgenossen die Figuration für obsolet erklärten, wandte er sich demonstrativ Rodin, Michelangelo und der expressiven Kraft des menschlichen Körpers zu. Seine raue, oft wie von Erosion gezeichnete Oberflächenbehandlung wird zum künstlerischen Statement: Der Mensch ist keine glatte, perfekte Form, sondern ein von Geschichte und Leiden gezeichnetes Wesen. Die aufgerichtete Haltung der Figur, der zum Himmel gewandte Blick, erinnern an mittelalterliche Heiligenfiguren und archaische Idole. Doch Hrdlicka schafft keine idealisierten Körper – seine Figuren tragen die Spuren von Verletzlichkeit und Vergänglichkeit. Die unebene, stellenweise fast wunde Oberfläche der Bronze lässt an die physischen und psychischen Narben einer kriegsgeprägten Epoche denken, die der Künstler selbst als Kind erlebte. Die Mitte der 1970er Jahre markiert eine besonders produktive Phase in Hrdlickas Œuvre. Parallel zu seinen großen öffentlichen Mahnmalen – etwa dem Hamburger Gegendenkmal zum Kriegerdenkmal – entstanden zahlreiche Einzelfiguren, die das Thema menschlicher Verletzlichkeit in reduzierter Form erforschen. Diese Stele steht in engem Dialog mit Werken wie der ”Marsyas”-Serie oder seinen ”Opfer”-Darstellungen: immer wieder der aufgerichtete, exponierte Körper, der sich dem Blick – und damit dem Urteil – ausliefert. Hrdlicka arbeitete bevorzugt in Gips und Ton, modellierte spontan und mit großer physischer Energie. Die Spuren des unmittelbaren Zugriffs seiner Hände bleiben im Bronzeguss sichtbar – ein bewusster Gegenentwurf zur kühlen Perfektion industrieller Fertigung. Das Format der Stele, jener jahrtausendealten Grundform zwischen Relief und Vollplastik, verleiht dem Werk kultische Präsenz. Die Figur scheint gleichsam aus dem Stein zu erwachen – ein unvollendeter Prozess, der an Michelangelos ”Prigioni” denken lässt. Diese bewusste Non-Finito-Ästhetik macht die Skulptur zu einem Sinnbild menschlicher Existenz: immer im Werden, nie vollendet, zwischen Materie und Geist gefangen. Ein kraftvolles Zeugnis österreichischer Nachkriegsskulptur, das in jedem Raum eine eindringliche, herausfordernde Präsenz entfaltet. (Ina Waldstein) Alfred Hrdlicka Stele mit weiblicher Figur bronze h. 131 cm signed and inscribed at the bottom: A. Hrdlicka, E.A. foundry stamp: Venturi Arte private collection, Austria cf. Michael Lewin, Alfred Hrdlicka - Das Gesamtwerk Bildhauerei. Vienna - Zurich 1987, p. 241