Bidspirit auction | Gottfried Helnwein: o.T. (Hämischer Arzt


Gottfried Helnwein: o.T. (Hämischer Arzt und Patient) - Gottfried Helnwein o.T. (Hämischer Arzt und Patient) 1979 Aquarell auf Zeichenkarton; gerahmt 45 x 35,2 cm Signiert seitlich rechts: Helnwein Sammlung Jirka, Wien; Privatbesitz, Wien Ausstellungskatalog, Albertina, Gottfried Helnwein, Arbeiten von 1970-1985, Wien 1985, Abb. S. 109. Vgl. Werkverzeichnis, Gottfried Helnwein. Wien 1981, Abb. 54, S. 119. ”Es ist interessant zu registrieren, dass ein Bild stärker provoziert als ein Text, dass Fiktion heftigere Reaktionen auslöst als ein Tatsachenbericht. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass die Fantasie stärker angeregt und im Unterbewusstsein Schlummerndes angesprochen wird.” (Oscar Bronner auf: www.helnwein.com/artist/biography/article_1005-First-cover-for-the-political-and-cul tural-magazine-Profil, aufgerufen am 2.10.2025) Die Zusammenarbeit von Gottfried Helnwein und dem Magazin Profil unter seinen Herausgebern Oscar Bronner und Peter Michael Lingens beginnt im Jahr 1972. In diesem Jahr erhält Helnwein die Gelegenheit, im Foyer des Wiener Pressehauses Bilder auszustellen, die aber alsbald nach vehementen Protesten der Mitarbeiter wieder entfernt werden müssen. Im Profil ist man sich bewusst, dass der Künstler mit seinen Arbeiten aber genau den Nerv der Zeit trifft und seine Finger in offene Wunden legt. Diese Stärke, die sich auch im medialen Bereich gut einsetzen lässt, gilt es zu nutzen. So gestaltet Helnwein in den Folgejahren zahlreiche Titelseiten des renommierten Magazins. Die Originalzeichnung für eines dieser Titelbilder im Jahr 1979 zeigt einen Arzt und dem ihm hilflos ausgelieferten, sedierten Patienten und war eine Illustration zur Titelstory ”Die Pharmaindustrie testet Medikamente: Der missbrauchte Patient”. Im Zentrum unterhalb des hämisch grinsenden Gesichts des Mediziners mit seinem blütenweißen Kittel ragt eine Spritze bedrohlich empor. Gleich wird dem schweißnassen Patienten der Inhalt injiziert werden und wir rechnen keinesfalls mit positiven Folgen für den wehrlosen Mann, der sich wohl davor vertrauensvoll in die Hände des Arztes begeben hat. Allein die Komposition, jene beklemmende Konfrontation Arzt-Patient, die hier stattfindet und durch gleisendes, gnadenlos kaltes Licht ausgeleuchtet wird, führt zu einer negativen Konnotation. Die Lust des Menschen seine Macht darin zu beweisen, indem er anderen und insbesondere Wehrlosen Schmerz zufügt, ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Kunst Gottfried Helnweins und seine Malerei eine Rebellion dagegen. ”Für mich ist Widerstand ein wesentlicher Teil meiner Existenz. Und Kunst ist für mich eine Waffe, mit der ich mich wehren kann, die mir die Möglichkeit gibt zurückzuschlagen.” (Gottfried Helnwein in: Malen heißt sich wehren. Gottfried Helnwein im Gespräch mit Oliver Spiecker, Berlin 2013, S. 36) (Sophie Cieslar) Gottfried Helnwein Untitled (Hämischer Arzt und Patient 1979 watercolour on drawing cardboard; framed 45 x 35.2 cm signed on the right edge: Helnwein collection Jirka, Vienna; private property, Vienna exhibition catalogue, Albertina, Gottfried Helnwein, Arbeiten von 1970-1985, Vienna 1985, illus. p. 109 cf. catalogue raisonné, Gottfried Helnwein. Vienna 1981, illus. 54, p. 119