Bidspirit auction | Maria Lassnig: o. T.
Maria Lassnig: o. T. - Maria Lassnig o. T. 1959 Schwarze Kreide auf Papier; gerahmt 50 x 65 cm Signiert und datiert rechts unten: Lassnig, 1959 Privatsammlung, Wien (in den 1970er Jahren vom Vater des gegenwärtigen Eigentümers erworben) Ein Blatt, dessen Hintergrund von dicht aneinander liegenden, fast zur Fläche verschmelzenden Kreidestrichen gebildet wird, über dem eine ausdrucksstarke gestische schwarze Linie liegt. Sie dominiert die Bildkomposition und erzeugt Spannung. Maria Lassnig gehört zu den großen Pionierinnen der europäischen Nachkriegskunst. Ihr Schaffen kreist um die Frage, wie sich das eigene Körperempfinden in Linien, Flächen und Zeichen verwandeln lässt. Nicht als Abbild, sondern als unmittelbare Spur des Daseins. Das vorliegende Werk von 1959 stammt aus jener entscheidenden Phase ihres Œuvres, in der sich die Künstlerin vom gestischen Informel löst und bereits ihre unverwechselbare Bildsprache vorbereitet, die später unter dem Begriff der ”Körperbewusstseinsmalerei” bekannt wurde. Mit schwarzer Kreide auf Papier entstanden, besitzt die Zeichnung eine eindringliche Direktheit. Jeder Strich wirkt wie ein körperlicher Impuls, eine registrierte Regung zwischen innerem Gefühl und äußerer Geste. Das Papier wird zum Resonanzraum, in dem Energie und Empfindung eine fragile Balance eingehen. Gerade die Reduktion auf Schwarz-Weiß verstärkt die existentielle Spannung: Nichts lenkt ab, alles konzentriert sich auf die Spur der Hand, die Kraft des Moments. Die 1950er Jahre waren für Lassnig eine Zeit der Suche und der Verwandlung. Sie hatte sich vom österreichischen Kunstmilieu emanzipiert, nahm internationale Strömungen des Tachismus und Informel auf und transformierte sie zu einer ihr eigenen Bildsprache. Sie geht das Risiko ein, Linien ins Ungewisse zu setzen, mit der unerschütterlichen Gewissheit, dass das eigene Empfinden als Motiv genügt. Signiert und datiert rechts unten, vermittelt die Arbeit nicht nur historische Authentizität, sondern auch Nähe zur Person der Künstlerin. Man spürt in der Handschrift den Willen, das Unaussprechliche sichtbar zu machen. Die intime Dimension der Zeichnung wird durch ihre Provenienz noch unterstrichen: In den 1970er Jahren gelangte sie in eine Wiener Privatsammlung, wo sie über Jahrzehnte bewahrt wurde. Lassnigs Werke auf Papier besitzen eine besondere Aura. Sie sind weniger Repräsentation als unmittelbare Beweise des Empfindens, seltene Zeugnisse eines schöpferischen Prozesses, der radikal subjektiv war und doch universelle Gültigkeit beansprucht. Dieses Blatt aus dem Jahr 1959 ist authentisch und gut erhalten. Es ist nicht nur ein frühes Dokument, sondern ein Schlüssel, der den Weg zum späteren, weltbekannten Werk der Künstlerin öffnet. (Clarissa Mayer-Heinisch) Maria Lassnig o. T. 1959 black chalk on paper; framed 50 x 65 cm signed and dated on the lower right: Lassnig, 1959 private collection, Vienna (acquired in the 1970s by the father of the current owner)