Bidspirit auction | Maria Lassnig: Bedrohung im Grunewald


Maria Lassnig: Bedrohung im Grunewald - Maria Lassnig Bedrohung im Grunewald 1978 Mischtechnik auf Papier; gerahmt 55 x 41 cm (Rahmen-Ausschn.) Bezeichnet, monogrammiert und datiert rechts unten: Bedrohung im Grunewald, ML, 78 österreichische Privatsammlung Maria Lassnig (1919–2014) war eine der bedeutendsten Vertreterinnen der figurativen Malerei des 20. Jahrhunderts. Sie gilt als Pionierin der sogenannten ”Körperbewusstseinsmalerei”, bei der nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern das innere Empfinden des Körpers dargestellt wird. In ihren Bildern suchte Lassnig nach einer visuellen Übersetzung innerer Empfindungen und emotionaler Zustände. Nach Studien an der Akademie der bildenden Künste in Wien lebte sie in Paris und New York, wo sie sich mit abstrakter und experimenteller Kunst auseinandersetzte. Neben der Malerei arbeitete sie auch mit Film und Animation. Ihre Werke zeichnen sich durch kräftige Farben, expressive Formen und schonungslose Selbstbeobachtung aus. Lassnig erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1988 den Großen Österreichischen Staatspreis und 2013 den Goldenen Löwen der Biennale di Venezia für ihr Lebenswerk. Typisch für Lassnig ist der Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen – nicht das, was das Auge erfasst, sondern das, was der Körper fühlt. So auch in der Zeichnung Bedrohung im Grunewald aus dem Jahr 1978. Das Motiv zeigt die Künstlerin aus der Vogelperspektive, wie sie auf einem Baumast sitzt. Von unten blicken zwei Hunde zu ihr hinauf. Sie können als Spiegel des inneren Zustands gelesen werden – instinktiv, aufmerksam, wachsam. Der weitgehend leere Hintergrund betont den psychologischen Charakter des Werks. Das Bild wirkt skizzenhaft und zugleich naturnah. Die Zeichnung steht in engem Zusammenhang mit Lassnigs Biografie. 1978 erhielt sie ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und verbrachte ein Jahr in Berlin, wo sie ein Atelier im Grunewald bezog und im Haus am Lützowplatz ausstellte. In dieser Zeit entstanden vermehrt Landschaftszeichnungen und Körperbilder. Ihre Beschäftigung mit Körper und Wahrnehmung wurde auch durch den engen Austausch mit dem damals in Berlin lebenden Schriftsteller Oswald Wiener beeinflusst, der sich seit den 1970er-Jahren mit Denkpsychologie befasste. (Stefan Üner) Maria Lassnig Bedrohung im Grunewald 1978 mixed media on paper; framed 55 x 41 cm (cut-out) inscribed, monogrammed and dated on the lower right: Bedrohung im Grunewald, ML, 78 private collection, Austria