Bidspirit auction | Frommer, Michael
Frommer, Michael - Frommer, Michael (1584 – tätig 1619 / 20). Der Prophet Elia wird mit dem Feuerwagen in den Himmel entrückt (2. Buch der Könige, Kap. 2). Zeichnung, signiert. Tuschfeder rotbraun, grau laviert. Wasserzeichen bekrönte Kartusche über Traube. 30,5:33,2 cm. In den wenigen nachweisbaren Werkbelegen für Michael Frommer begegnet uns ein vielseitig tätiger Augsburger Künstler, bei Thieme / B. als Gold- und Silberschmied verzeichnet (Rosenberg 483), neuerdings weitere Tätigkeit als Kupferstecher nachgewiesen, dabei das Titelblatt zu Jak. Schalling, Augenlehr (Ophthalmiä), 1615, vgl. U. Weiss, Pseudonyme Publizistik, in: Pietismus und Neuzeit, Bd. 42, Göttingen 2016, S. 35 ff.: »Es zeigt, umgeben von vier geflügelten Engelsköpfen und vier kreuzverzierten Kronen, ein siebenhörniges Lamm auf einem mit sieben Siegeln verschlossenen Buch.« Ein weiterer Beleg zu Frommers Tätigkeit als Kupferstecher illustriert ein (wohl Augsburger) Flugblatt »Beschreibung eines gar großen Walfisches …«, nachweisbar in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (Ya 5010 m), zurückzuführen auf eine 14. Februar 1619 datierbare Walfischjagd (vgl. W. Harms u. a., Illustrierte Flugblätter des Barock, 1963, Nr. 70); damit ist die Tätigkeit Frommers – nach bisheriger Lesart bis 1615 zu verfolgen – bis 1619 / 20 zu erweitern. Als Goldschmied / Kupferstecher hat Michael Frommer dem Ruf der Augsburger Werkstätten vor allem mit einem ziervergoldeten Kartenspiel gedient, im Pommerschen Kunstschrank nachweisbar, vgl. J. Lessing u. A. Brüning, Der Pommersche Kunstschrank, Bln. 1905, Taf. 40; ein vollständiger Satz des aus 54 Karten bestehenden Kunstkammerstückes aus dem einstigen Besitz der portugiesischen Infantin Carlota Joaquina (1807 Flucht vor den napoleonischen Truppen nach Brasilien) wurde 2010 von Christie’s, London, für 2,42 Millionen Pfund versteigert. Eine weitere signierte Zeichnung von Frommer ist für uns nicht nachweisbar, und sie an dieser Stelle öffentlich zu machen, bereichert den Blick auf die Leistungen der Augsburger Feinschmiede über Gold und Silber hinaus und überhaupt auf die Vielseitigkeit des Handwerks zwischen Renaissance und Barock. Den Umgang mit edlem Metall mag die Zeichnung anklingen lassen – in der differenzierten Lavierung wechselnder Grautöne gut mit Silberton zu verbinden. Nach vier Jahrhunderten zeigt sich das Blatt in tadellosem Zustand, abgesehen von zwei einstigen, jetzt geglätteten Mittelfalten. Signatur und Wasserzeichen sind hier separat reproduziert.